Die Geschichte der Feuerwehr Bönnigheim

Geschrieben von Andreas Jäger. Veröffentlicht in Uncategorised

Lange Zeit bevor es eine organisierte Feuerwehr in Bönnigheim gab, sorgten sich schon die damaligen Stadtherren um den Brandschutz in ihrer Stadt.
So zum Beispiel ein Erlass der Ganerben (die Stadtherren) von 1452 der die Bürger auffordert ihre Dächer mit Ziegel zu decken um der Brandausdehnung durch Strohdächern Einhalt zu gebieten. Ebenso wurden "Feuerbeseher" ernannt, die von Zeit zu Zeit in den Häusern nachsehen mussten, ob auch überall die nötige Vorsicht getroffen wäre, damit kein Feuer ausbrechen könne. So durfte bei "Strafe von einem Pfund Heller" niemand Asche auf der Bühne aufbewahren.

1576 wurde eine neue Ordnung erlassen, in der neben den amtlichen Feuerschauern auch die Bürgermeister der Stadtviertel alle Feuerstätten zu besichtigen und darauf zu achten hatten, wo Holz und Stroh an untauglichen Orten lag. Ebenso wurde festgelegt, wer bei einem Brandfall zu helfen hatte: 20 Mann aus dem Liebensteiner-, 16 Mann aus dem Sachsenheimer-, 25 Mann aus dem Neipperger- und 19 Mann aus dem Gemminger Viertel. Dazu mussten aus jedem Viertel zwei Reiter und zwei Rottenmeister herbeieilen.  Außerdem hatte jeder Bürger einen eigenen Feuereimer vorzuweisen. Zur Wasserversorgung standen mehrere Brunnen und der Neipperger See, der außerhalb der Stadtmauer lag, zur Verfügung.

1785 wird Bönnigheim württembergisch, nun galt auch hier die "Württembergisch-Herzogliche-Land-Feuer-Ordnung".
Am 20. Mai 1808 folgte eine neue "Landesfeuerlöschordnung" die alle arbeitsfähigen Einwohner, Männlein wie Weiblein, für "feuerlaufenspflichtig" erklärte. Die Obrigkeit bestimmte Rotten und Rottenmeister zur Bedienung von zweier Stoßspritzen, der Feuerbutten, der Wasserschapfen, den Feuereimern und den Leitern, die im Erdgeschoss des alten Rathauses auf dem Marktplatz untergebracht waren.

Es zeigte sich jedoch immer deutlicher, dass zur Beherrschung der Feuerspritzen eingeübte Mannschaften nötig waren, was dann zur Gründung der ersten Feuerwehren führte. So 1846 in Durlach, ein Jahr darauf in Heilbronn. Schnell zeigt sich die Wirksamkeit der Einrichtung, so dass überall Feuerwehren gegründet wurden. Und so beschloss am 9. Juli 1863 der damalige Bönnigheimer Gemeinderat das Feuerlöschwesen in der Stadt neu zu ordnen und eine Pflichtfeuerwehr zu gründen. Die bürgerlichen Kollegien (Gemeinderat und Bürgerausschuss) bewilligten einen jährlichen Beitrag von 150 Gulden und es wurde ein provisorischer Verwaltungsrat gebildet. Die Feuerlöscheinrichtungen von Ludwigsburg und Stuttgart wurden besichtigt und daraufhin eine doppeltwirkende Buttenspritze für 110 Gulden bei der Glockengießerei Kurtz in Stuttgart bestellt.

Am 25.Juli 1864 schlug dann die Geburtsstunde der Pflichtfeuerwehr Bönnigheim, an diesem Tag wurde der Oberamtstierarzt Zipperlen als erster Kommandant gewählt. Durch freiwillige Beiträge zur Unterstützung der Feuerwehr konnten noch im selben Jahr ein "kleiner Feuerwagen" ein "Gerätschaftswagen" und ein "Mannschaftstransportwagen" angeschafft werden. Ebenso wie Leitern, 60 Messinghelme, 30 Beile, 30 Seile und Uniformen für 60 Mann, die der Feuerwehrmann selbst bezahlen musste.

1880 wurde in den heutigen Stadtteilen Hohenstein und Hofen jeweils eine fahrbare Saugfeuerspritze angeschafft (beide noch erhalten), wobei in Hohenstein schon seit 1829 eine Tragfeuerspritze vorhanden war (noch erhalten). Ebenso wurden je sechs Mann als "Steiger" ausgerüstet.

Im Jahr darauf wurde in beiden Stadtteilen die Pflichtfeuerwehr gegründet.

1887 wurde in Bönnigheim eine Lokalfeuerlöschordnung erlassen (ähnlich auch in Hohenstein und Hofen). Zu dieser Zeit waren 185 Bürger in acht Zügen eingeteilt. Es standen zwei vierrädrige, zweistrahlige Feuerspritzen mit fortlaufendem Strahl zur Verfügung. Weiter waren acht Meter Saugschlauch, zwei Handschläuche, 210 Meter Druckschläuche, eine Buttenspritze, eine Tragspritze, sechs Blech- und 24 Holzbutten, sieben Blech- und elf Holzschapfen, 20 blecherne Wassereimer, zwei Schiebleitern, drei Anstellleitern, sechs Dachleitern, sechs Steckleitern, zwei Feuerhaken, ein Mannschaftstransportwagen mit Zubehör, zwei Sprungtücher, je zwei Rettungsschläuche, Rettungstücher und Rettungssäcke, vier Tragbahren, ein Rädergestell zum Transport der Leitern, ein Handwagen und drei Schlauchstützen vohanden. Diese Geräte waren im Rathaus und im städt. Remise hinterm Kavaliersbau untergebracht. Die Schläuche wurden zum Trocknen am Köllesturm aufgehängt.

1889 wurde das 25-jährige Stiftungsfest gefeiert.

1891 lieferte die Firma Heinrich Kurtz aus Stuttgart eine "Landspritze Nr.3" für 1300 Mark, damit standen drei Handdruckspritzen zur Verfügung.

Am 26. Juni 1904 wurde das 40-jährige Jubiläum gefeiert mit der lang ersehnten Fahnenweihe.

1906/1907 wurden in Bönnigheim die städt. Wasserleitungen erstellt mit 89 Hydranten, worauf mehrere Hydrantenwägen angeschafft wurden. Diese befanden sich zusammen mit den anderen Gerätschaften im neugebauten Feuerwehrhaus, das am 10. Mai 1907 eingeweiht wurde. Ebenso die im gleichen Jahr im Dezember neu erworbene mechanische Rettungsleiter mit 13 Metern Höhe.

Im Juli 1908 entschieden sich die "bürgerlichen Kollegien" auf Anregung von Landesfeuerlöschinspektor Gmelin die Pflichtfeuerwehr aufzugeben und eine Freiwillige Feuerwehr zu gründen (Hohenstein stellt 1936, Hofen 1946 auf freiwillig um). Erster Kommandant der nun Freiwilligen Feuerwehr war der Bauunternehmer Christian Etzel (später erster Ehrenkommandant), der nun 130 Bürger in vier Zügen unter sich hatte.

Am 28. Juni 1914 wurde zum 50-jährigen Jubiläum ein großes Fest gefeiert. Am selben Tag wurde der österreichische Thronfolger in Sarajewo ermordet, was den ersten Weltkrieg auslöste. Das 60-jährige Jubiläum wurde am 18. Mai 1924 mit einem Bezirksfeuerwehrtag gefeiert, wo ein Löschzug der Heilbronner Weckerlinie mit ihrer Automobilspritze und die Feuerwehr Bietigheim mit ihrer Motorspritze vertreten waren.

1925 wurde das Läuten der Glocken und das Blasen des Horns, durch die Anbringung einer Sirene am damaligen Rathaus, überflüssig. Nur bei Stromausfall oder versagen der Sirene wurde weiterhin sturmgeläutet.

Als 1933 die nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland begann wurde auch die Feuerwehr neu organisiert und es kamen weitere Pflichten und Aufgaben hinzu. So wurde vermehrt das Thema Luftschutz in Übungen behandelt und auch die Führungskräfte wurden durch den Kreisfeuerlöschinspektor und den Bürgermeister neu bestimmt. Als erste Feuerwehr im Bezirk führte die Feuerwehr Bönnigheim am 25.Oktober 1936 beim Kommandantentag den dreiteiligen Löschangriff den umliegenden Wehren vor. Im gleichen Jahr wurde auch die erste Motorspritze, eine TS 8 der Firma Magirus, erworben.

Mit dem "Gesetz über das Feuerlöschwesen" vom 23. November 1938 wurden die Berufsfeuerwehren zur Feuerschutzpolizei und die Freiwilligen Feuerwehren zur Hilfspolizei ernannt.

Zu Kriegsbeginn wurden viele Feuerwehrkameraden  zu den Waffen einberufen, die übriggebliebenen Kameraden mussten bei den zahlreichen "Fliegeralarmen" immer ausrücken und mit den Löschgerätschaften, die in der ganzen Stadt verteilt waren, bereitstehen.